Prof. Dr. Matthias Grünke

Abschlussarbeiten

Aussageniveau

 

Schriftliche Hausarbeiten (Examensarbeiten) und Diplomarbeiten müssen eigenständige wissenschaftliche Leistungen darstellen. Das bedeutet, dass im wahrsten Sinne des Wortes in irgendeiner Form „Wissen geschaffen“ werden soll. Natürlich kann man hierbei keine wesentlichen Beiträge zur Wissenschaftsentwicklung erwarten. Und in der Regel sind die Erkenntnisse, die im Rahmen einer schriftlichen Hausarbeit oder einer Diplomarbeit zu Tage gefördert werden, nicht unbedingt weltbewegend. Dennoch sollten die Ergebnisse innovativ sein, also etwas Neues beinhalten. Arbeiten, die lediglich einen Überblick über die Literatur zu einem bestimmten Thema geben, kommen nicht in Frage (systematische Literatur-Reviews oder Meta-Analysen sind damit jedoch nicht gemeint). Schriftliche Hausarbeiten und Diplomarbeiten ähneln im Hinblick auf ihr Anliegen und ihre Struktur üblicherweise weniger Büchern bzw. Buchaufsätzen als vielmehr Forschungsbeiträgen in qualitativ hochwertigen Fachzeitschriften (wie z.B. „Empirische Sonderpädagogik“, „Exceptional Children“, „Heilpädagogische Forschung“ oder „Journal of Special Education“). Eine wichtige Voraussetzung für das Anfertigen einer gelungenen schriftlichen Hausarbeit oder Diplomarbeit ist es somit, mit dem distanzierten und objektiven Sprachstil, der stringenten Argumentation und dem logischen Aufbau in wissenschaftlichen Zeitschriftenartikeln gut vertraut zu sein.

 

Themenwahl

 

Die Themen für schriftliche Hausarbeiten und Diplomarbeiten werden üblicherweise durch mich vergeben. Denn für eine kompetente Begleitung eines Vorhabens ist es wichtig, dass die betreuende Person etwas vom gewählten Inhalt und der angewendeten Methodik versteht. Und dies ist bei mir selbstverständlich nicht immer der Fall. Außerdem bietet es sich an, dass die Arbeiten thematisch in die laufenden Forschungsaktivitäten unseres Lehrstuhls eingebunden sind. Wer eigene Vorschläge verwirklichen will, sollte nicht mit einer vagen Idee, sondern bereits mit einer gut begründeten und konkreten Fragestellung in die Sprechstunde kommen. Das bedeutet auch, dass in den nationalen und internationalen computergestützten Fachdatenbanken bereits eine systematische Literaturrecherche durchgeführt worden sein muss, um zumindest grob beurteilen zu können, wie sich das Vorhaben im Hinblick auf den momentanen Forschungsstand einordnen lässt. Doch auch bei gut begründeten und konkreten Fragestellungen kann es vorkommen, dass ich mich im Hinblick auf das jeweilige Thema nicht ausreichend kompetent fühle und die Betreuung der Arbeit ablehnen muss.

 

Betreuung

 

Die Erstellung einer schriftlichen Hausarbeit oder einer Diplomarbeit vollzieht sich normalerweise in folgenden vier Schritten:

1. Vorbereitung

2. Durchführung

3. Auswertung

4. Verschriftlichung

In der Vorbereitungsphase stelle ich ein Thema zur Verfügung oder helfe dabei, die Fragestellung so einzugrenzen, dass sie innerhalb der festgelegten Frist bearbeitet werden kann, ich korrigiere eingereichte Exposés und Gliederungen, ich gebe Tipps im Hinblick auf wesentliche Literatur oder stelle sie zur Verfügung und ich helfe dabei, Genehmigungen für die Erhebung von Daten bei Schülerinnen und Schülern zu erhalten. Während der Durchführung berate ich insbesondere bei auftretenden Schwierigkeiten. Im Zuge der Auswertung gebe ich Tipps im Hinblick auf die Analyse des Datenmaterials, biete kurze Einführungen in spezielle Verfahren an und berate bei rechentechnischen Problemen. Während der letztendlichen Verschriftlichung der Arbeit helfe ich bei speziellen Fragen.

Mit einer schriftlichen Hausarbeit oder einer Diplomarbeit soll der Nachweis erbracht werden, dass eine Person in der Lage ist, innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens unter Anleitung eigenständig wissenschaftlich zu arbeiten. Es wird vorausgesetzt, dass man über die hierbei notwendigen Fertigkeiten bereits verfügt. Damit ist u. a. gemeint, dass man in Fachdatenbanken nach einschlägiger Literatur recherchieren, wissenschaftliche Texte (auch englischsprachige) verstehen und einordnen, nach gängigen Richtlinien zitieren, einen Text gemäß den üblichen Gepflogenheiten gliedern und die wichtigsten Methoden der quantitativen und qualitativen Forschung anwenden kann. Natürlich müssen diese Fertigkeiten nicht bis zur Perfektion beherrscht werden. Viele davon vertieft man erst im Laufe einer intensiven Auseinandersetzung. Allerdings ist es nicht der Sinn einer Betreuung von schriftlichen Hausarbeiten oder Diplomarbeiten, in die systematische Literaturrecherche oder das Wesen der statistischen Datenanalyse einzuführen. Auch kann ich leider ein Gesamtwerk vor seiner Abgabe nicht Korrektur lesen.

 

Formale Merkmale

 

Eine schriftliche Hausarbeit umfasst etwa 50 bis 80, eine Diplomarbeit etwa 60 bis 100 DIN A 4-Seiten (12pt, 1,5zeilig). Es sind die gängigen Schriftarten Times New Roman oder Arial zu verwenden. Die Seitenränder betragen links 5 cm, rechts 2,5 cm sowie oben und unten jeweils 2 cm. Alle Arbeiten beginnen mit einem Deckblatt, auf dem der Titel, der Hinweis, worum es sich bei dem Werk handelt (z.B. „Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt für Sonderpädagogik"), der Vor- und Nachname der Verfasserin bzw. des Verfassers, die Bezeichnungen der Universität und des Departments, das Abgabedatum sowie die Titel und Vor- und Nachnamen der Gutachterinnen bzw. Gutachter abgedruckt sind. Es folgt ein Inhaltsverzeichnis. An das Ende der Ausführungen wird eine Erklärung angefügt, in der man versichert, dass man die Arbeit einschließlich beigefügter Zeichnungen, Kartenskizzen und Darstellung selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet hat. Des Weiteren wird erwähnt, dass alle Stellen der Arbeit, die dem Wortlaut oder dem Sinn nach anderen Werken entnommen worden sind, in jedem Fall unter Angabe der Quelle deutlich als Entlehnung kenntlich gemacht wurden. Es wird empfohlen, die Ausrichtung im Blocksatz zu formatieren. Die Zählung der Seiten beginnt mit dem Deckblatt, dieses erhält jedoch keine eigene Nummer. Nach dem Deckblatt erhält die erste bedruckte Seite (also die erste Seite des Inhaltsverzeichnisses) die arabische Ziffer 2. Im Hinblick auf die Gestaltung des Inhaltsverzeichnisses sowie von Tabellen und Abbildungen, auf die Verwendung von Fußnoten, auf die Art der Zitierung im Text und auf die Zitierweise im Literaturverzeichnis sind die in der Sonderpädagogik allgemein üblichen „Richtlinien zur Manuskriptgestaltung“ (Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 2007) zu beachten. Eine Zusammenfassung, ein Abkürzungsverzeichnis und eine Erklärung über die Verwendung der weiblichen und männlichen Schreibweise können mit aufgenommen werden, müssen es aber nicht. Ausführliche Tabellen, die mehr als eine Seite umfassen, sind normalerweise in einen Anhang zu verschieben. Hier können darüber hinaus auch Materialien sowie Test- oder Protokollbögen angeführt werden. Der Anhang zählt bei der Bemessung der Gesamtseitenzahl im Übrigen nicht mit.

 

Bewertung

 

Die Beurteilung von schriftlichen Hausarbeiten und Diplomarbeiten geschieht unter inhaltlichen und formalen Gesichtspunkten. Außerdem fließt in die Benotung ein, wie selbstständig ein Projekt durchgeführt wurde. Mit „sehr gut“ benotete Werke weisen inhaltlich gesehen folgende Merkmale auf:

 

· Die Gliederung folgt einem in den Sozialwissenschaften allgemein üblichen Schema und ist in sich stimmig. Hierbei stehen die einzelnen Kapitel und Unterkapitel bezüglich ihrer Ausführlichkeit in einem angemessenen Verhältnis zueinander.

· Die Einleitung führt von einem allgemeinen theoretischen Hintergrund in stimmiger Weise zu einer konkreten Fragestellung. Hierbei werden die notwendigen Begriffe geklärt und die relevanten Modelle in angemessener Präzision referiert. Zentrale und aktuelle Studien in deutscher und englischer Sprache, die für die spezifische Thematik von Bedeutung sind, finden Berücksichtigung. Alle wesentlichen Aussagen werden durch seriöse Quellen belegt.

· Das Vorgehen zur Bearbeitung der Fragestellung wird umfassend beschrieben. Alle wesentlichen Informationen (z.B. über die Stichprobe, die Erhebungsinstrumente, das Design der Studie, den Untersuchungsverlauf, …) sind enthalten. Darüber hinaus ist das Vorgehen für die Bearbeitung der Fragestellung geeignet.

· Die Auswertung geschieht mittels angemessener Verfahren und in korrekter Weise. Alle Tabellen und Abbildungen, die zur Ergebnisdarstellung verwendet werden, sind klar und verständlich.

· Nach der Präsentation der Befunde wird die am Ende der Einleitung formulierte Fragestellung explizit beantwortet. Die Interpretation geschieht in nüchterner und realitätsbezogener Weise. Es folgt eine kritische Reflexion des eigenen methodischen Vorgehens und eine Auseinandersetzung mit möglichen praktischen Implikationen der Ergebnisse. Schließlich wird darüber resümiert, wie sich die eigenen Resultate in die momentane Befundlage einordnen lassen, welche Fragen offen geblieben sind und wo Ansatzpunkte für zukünftige wissenschaftliche Arbeiten bestehen.

 

Unter formaler Perspektive erfüllen die mit „sehr gut“ bewerteten Arbeiten folgende Kriterien:

 

· Alle Bestandteile einer schriftlichen Hausarbeit oder Diplomarbeit sind vorhanden.

· Die Vorgaben bezüglich der Seitenzahl und des Satzspiegels werden berücksichtigt.

· Die Gliederung erfüllt alle Vorgaben, die in den gängigen Richtlinien zur Manuskriptgestaltung dargelegt sind.

· Die Zitierweise im Text und die Zitierweise im Literaturverzeichnis sind einheitlich und entsprechen ebenfalls den üblichen Standards.

· Die Ausführungen sind leicht lesbar und verständlich, der Sprachstil ist präzise und wissenschaftlich neutral.

· Der Text enthält wenig oder keine Rechtschreib-, Grammatik- oder Kommafehler.

 

Bezogen auf den Grad der Selbstständigkeit zeichnet sich ein Betreuungsverhältnis bei sehr guten Arbeiten durch folgende Eigenschaften aus:

 

· Die Kandidatin bzw. der Kandidat meldet sich aus eigenem Antrieb bei mir, um die Weichenstellungen der Arbeit (Präzisierung der Fragestellung, Festlegung der Gliederung, Wahl des Untersuchungsvorgehens und der Auswertungsmethoden, …) zu besprechen und mich über den jeweils aktuellen Stand der Dinge zu informieren.

· Es gibt keine Fragen zu klären, die auf mangelnde Grundfertigkeiten der Kandidatin bzw. des Kandidaten zurückzuführen sind.

· Die Kandidatin bzw. der Kandidat arbeitet sich schnell und eigenständig in spezielle Theorien, Erhebungsinstrumente, Fördermethoden, Auswertungsverfahren usw. ein und benötigt hierbei durch mich nur wenig Hilfestellungen.

· Die Kandidatin bzw. der Kandidat ist bemüht, für auftretende Probleme selbst Lösungen zu finden und sie erst danach mit mir zu diskutieren.

· Die Kandidatin bzw. der Kandidat bringt eigene Ideen in die Arbeit mit ein.

· Der Betreuungsaufwand umfasst insgesamt nicht mehr als zehn Einzeltermine.